Apple Pay in Europa

18. Dezember 2014
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Apple Pay in Europa: EU-Kappung von Karten-Gebühren könnten zur Hürde werden
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Die geplante Einschränkung der Gebühren bei Kartenzahlungen in der EU soll Händler und Verbraucher entlasten. Für mobile Bezahldienste wie Apple Pay könnte dies aber zu einem Problem werden.

In den USA gab Apple zwei Monate nach dem Start gerade Dutzende neue Partner für seinen iPhone–Bezahldienst bekannt – Europäer könnten aber noch einige Zeit darauf warten müssen. „Es würde mich wundern, wenn es schnell gehen würde“, erklärt Zahlungsverkehrsexperte Oliver Hommel von der Unternehmensberatung Accenture. Grund seien die EU-Pläne, die Gebühren bei Kartenzahlungen zu kappen. Denn genau das ist die Stelle in der Geschäftskette, an der auch Apple mitverdienen will.

Es geht um die Verarbeitungsgebühren, die Kreditkarten-Firmen und Banken von den Einzelhändlern verlangen. Künftig sollen die Gebühren bei Kreditkarten höchstens 0,3 Prozent des Kaufpreises betragen dürfen, bei EC- und anderen Bankkarten 0,2 Prozent. Das könne für Apple Pay zu einer Hürde in Europa werden. „Es dürfte auf große Schwierigkeiten stoßen, weil das Geschäftsmodell unter den neuen regulierten Bedingungen hier in Europa nur schwer funktionieren kann“, betont Hommel.

Apple verdient mit

Denn Apple will nach bisherigen Informationen von den Banken und Kreditkarten-Firmen eine Gebühr von 0,15 Prozent des Zahlbetrags. Der wäre nach den künftigen Regelungen die Hälfte derer Erlöse bei Kreditkartenzahlungen und sogar drei Viertel bei Bankkarten. Es sei „nicht leicht vorstellbar“, dass die europäischen Institute sich darauf einlassen könnten, sagt Hommel.

„Das Hauptproblem ist, dass der Verteilungsspielraum in der Wertschöpfungskette durch die geplante Regulierung extrem eingeschränkt wird.“ Alle, die als Mittelsmänner agieren, wären davon betroffen: Zahlungsabwickler haben weniger Luft, noch etwas etwa an Telekom-Anbieter, Apple oder Google abzugeben. Wann die neuen Regelungen greifen, ist noch offen. Die Eckpunkte wurden beim Europaparlament mit Vertretern der 28 EU-Mitgliedstaaten festgezurrt. Der Plan muss noch von der Volksvertretung und dem EU-Ministerrat förmlich bestätigt werden.

Europäisches Apple-Pay-Team wird zusammengestellt

Stellenanzeigen offenbaren unterdessen, dass der iPhone-Konzern ein Apple-Pay-Team für Europa, Afrika, Indien und den Mittleren Osten in London zusammenstellt. Apple machte bisher keine Angaben dazu, wann der Bezahldienst in Europa starten könnte.

Guter US-Start des Bezahldienstes

Im Start-Markt USA gibt es Zeichen für ein gutes Debüt von Apple Pay, auch wenn es bisher nur lückenhafte Informationen gab. So gab Konzernchef Tim Cook bekannt, dass in den ersten drei Tagen eine Million Kunden bei Apple Pay einstiegen – seitdem gab es aber keine weiteren Nutzerzahlen. McDonald’s erklärte, die Hälfte der kontaktlosen Zahlungen per NFC-Funk sei im November über Apple Pay abgewickelt worden, ließ aber offen, wie viele es insgesamt waren. Der Öko-Lebensmittelhändler Whole Foods berichtete von 150.000
Bezahlvorgängen in den ersten Tagen – danach gab es aber keine neuen Zahlen.

Eine Koalition großer amerikanischer Einzelhändler mit Plänen für ein eigenes Smartphone-Bezahlsystem war jedoch so alarmiert, dass einige von ihnen kurzerhand das kontaktlose Bezahlen per NFC in ihren Läden ganz abschalteten. Denn etwa die Drogeriemarkt-Kette CVS musste feststellen, dass iPhone-Nutzer in auch bei ihr per Apple Pay bezahlen konnten, obwohl sie gar nicht an dem System teilnahm. Denn für die Terminals ist es egal, ob der NFC-Chip in einer Plastik-Karte oder einem Telefon steckt. Genauso funktioniert die Technologie bereits auch für amerikanische Apple-Kunden an den entsprechend ausgerüsteten Kassen in Europa.

Die im Konsortium MCX zusammengeschlossenen amerikanischen Einzelhändler hoffen jedenfalls auf ihre – schließlich ist der Supermarkt-Riese Walmart darunter. Sie wollen den Bezahlprozess mit den dabei entstehenden Daten selbst in der Hand behalten. Ihre bisherige Lösung mit QR-Codes, die man per App einscannen muss, kommt allerdings komplizierter daher als das Apple-Pay-Verfahren, bei dem der Kunde nur seinen Finger auf den Fingeradruckscanner des iPhones zu legen braucht. (Andrej Sokolow, dpa) / (lbe)

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